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Märzbericht von Konrad Reichel   

Lieber Leser,

heute nehme ich Sie zu einem Hausbesuch in Suyana Sonqo, dem Behindertenprojekt, mit.

Ich steige ins colectivo, einen überfüllten Kleinbus, der mich nach Rio Grande zwei Dörfer entfernt von Urubamba bringt. Dort steige ich aus, verhandle mit dem Fahrer über 20 centimos, 5 europäische Cents, und mache mich auf den kurzen Weg einmal über die Straße zu dem Haus meiner beneficiaria Martha*. Ich stehe vor einer hölzernen Tür, die von einer Mauer aus getrockneten Lehmziegeln eingerahmt ist. Die Tür ist nur leicht angelehnt, denn für Martha ist es nicht leicht, selbstständig zur Tür zu gehen. Ich klopfe kurz, öffne die Tür, beuge mich ein bisschen nach unten, um durch den Türspalt luken zu können, und rufe Martha zu, ob ich hinein kommen dürfe. Ich werde mit einem glücklichen, etwas schiefen Lächeln freundlich hinein gebeten. Der Weg führt mich eine Betonschräge herunter, in der ein Geländer eingelassen ist, das vormalige Freiwillige dort installiert haben. Ich schaue auf ein rein gehaltenes Innenhöfchen, das seitlich von einem Lagerraum auf der Linken und einem von einem Wellblech überdachten Esstisch auf der Rechten umgeben ist. Geradeaus befindet sich das zweite und letzte Zimmer dieses Hauses: Das Schlafzim - Doch ich werde aus meiner Betrachtung gerissen, weil Vera*, die Tochter Marthas, auf mich zugestürmt kommt und von mir hochgehoben werden möchte. „El Gringo!“, ruft sie freudig. Und nach einem kurzen „Vera!“ von Martha korrigierte Vera direkt in „Koras!“. Ich umarme Martha und frage sie, ob wir heute wieder einen Spaziergang machen, was sie mit einem etwas zögerlich-unsicherem „si“ beantwortet.

Martha ist 33 Jahre alt. Vor vier Jahren hatte sie einen colectivo-Unfall und eine Operationswunde im Kopf entzündete sich. Seitdem ist sie halbseitig gelähmt und hat große Sprechprobleme.

Martha wartet noch kurz, bis die Maissuppe fertiggekocht hat, und lässt dann das Feuer in der vollkommen dunkel verrauchten Kochnische ausgehen, zieht ihren Sonnenhut auf und dann machen wir uns auf den Weg. Zuerst die Betonrampe hoch, dann über die Straße. Die Autos bleiben stehen und warten geduldig. Danach gehen wir in Richtung Feld. Es ist ein verhältnismäßig schöner Tag in der Regenzeit und es sieht nicht nach viel Regen aus. Wir gehen sehr langsam. Martha hält sich die ganze Zeit an meinem Arm fest - aus Angst, sie könne fallen. Vera läuft währenddessen die ganze Zeit zwischen dem schon in Sichtweite liegenden Feld und uns hin und her. Als auch wir beide beim Feld angekommen sind, erzählt mir Martha, dass sie früher mal hier gearbeitet habe, als sie noch gesund gewesen sei. Jetzt sei sie aber zum ersten Mal seit dem Unfall, seit vier Jahren wieder hier. Nicht mal 150 Meter entfernt von ihrem Haus!!! Sie sieht sehr glücklich aus im Angesicht dieses wirklich ganz stinknormalen Feldes - - - Wir verschnaufen noch eine Weile und genießen den Anblick. Danach drehen wir uns langsam um und treten den steinig staubigen Rückweg an. Vera läuft wie immer vor. In Marthas sowieso schon wegen der halbseitigen Lähmung schiefes Gesicht mischt sich ein Hauch von Sorge. „Vera“, ruft sie stockend: „Geh´ nicht zu nah an die Straße!“ Nach einigen Minuten holen wir die an der von lauter colectivos oder Motorradtaxis befahrenen Straße wartende Vera ein. Wir überqueren langsam die Straße, steigen die Betonschräge hinab, was trotz Geländers immer noch nicht ganz einfach ist, aber Martha immerhin ganz selbstständig machen kann, und setzen uns erstmal an den Tisch. Marthas Ehemann Jeferson* kommt gerade verschwitzt von der Feldarbeit zu seiner Mittagspause. Ich bekomme ebenfalls Maissuppe angeboten. Während des Essens besprechen wir die wichtigsten Sachen: Wie Marthas Fortschritt in der Physiotherapie ist, warum Vera nicht zur unserer Zahnarztkampagne in der Nachbarstadt gehen möchte, wie wir es endlich schaffen, die offizielle Behandlungsdokumentation von Martha zu bekommen, um Hilfe bei der Stadtverwaltung anfordern zu können und natürlich, wie Jefersons Fußballteam vor zwei Wochen das meinige besiegen konnte.

Danach verabschiede ich mich bei Jeferson, lasse Vera noch einmal hochfliegen und umarme die doch etwas erschöpfte Martha. Dann nehme ich wieder das nächste colectivo in Richtung Urubamba.

Viele Grüße aus dem Behindertenprojekt nach Deutschland!

Konrad Reichel



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